IPOs: Schnelles Geld oder Fehlinvestition?

28.08.2026

6 Minuten Lesezeit

Aktien | Börse

2026 ist das Jahr der großen Börsengänge. Und kaum ein IPO hat in den vergangenen Monaten für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie jener von SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk ging am 12. Juni 2026 an die Börse. Der Ausgabepreis lag bei 135 US-Dollar, insgesamt wurden Aktien im Wert von 75 Milliarden US-Dollar platziert. Damit stellte SpaceX einen neuen Rekord auf und löste Saudi Aramco als größten Börsengang der Geschichte ab.

Die Aktie startete fulminant. Am ersten Handelstag kletterte sie zeitweise bis auf 176 US-Dollar und schloss bei 160,95 US-Dollar. Wer am ersten Handelstag verkaufen konnte, erzielte damit einen Gewinn von rund 19 Prozent. Wenige Tage später lag der Kurs sogar deutlich über 200 US-Dollar. Danach kam die Ernüchterung: Anfang August fiel die Aktie zeitweise auf rund 105 US-Dollar. Am 10. August schloss sie wieder bei 138,74 US-Dollar – also nur knapp über dem Ausgabepreis.

Schnelles Geld? Ja, vielleicht. Sicheres Geld? Ganz und gar nicht. Und genau darum geht es bei IPOs.

Termin vereinbaren

Kontaktieren Sie jetzt unsere Ansprechpartner und vereinbaren Sie einen Termin!

Was ist überhaupt ein IPO?

IPO steht für Initial Public Offering, also das erstmalige öffentliche Angebot von Aktien eines Unternehmens. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Eigentumsanteile eines Unternehmens normalerweise nicht frei an einer Börse handelbar. Beim IPO werden Aktien erstmals einer breiten Öffentlichkeit angeboten und anschließend an einer Börse gehandelt.

Für ein Unternehmen ist der Börsengang ein wichtiger Schritt: Es kann damit erhebliches Kapital aufnehmen, seine Bekanntheit steigern und bisherigen Eigentümern ermöglichen, einen Teil ihrer Beteiligung zu verkaufen.

Für Anlegerinnen und Anleger klingt das verlockend. Denn wenn eine Aktie in den ersten Handelstagen von 135 auf 170 oder sogar 200 US-Dollar steigt, entsteht schnell der Eindruck: Man kann in kurzer Zeit richtig Geld verdienen.

Doch genau hier beginnt das Problem. Der erste Kursgewinn ist nicht automatisch ein Schnäppchen.

Nehmen wir Saudi Aramco. Der Ölkonzern ging im Dezember 2019 an die Börse. Der Ausgabepreis lag bei 32 Saudi-Riyal. Bereits am ersten Handelstag stieg die Aktie auf 35,20 Riyal – ein Plus von zehn Prozent. Der absolute Höchstkurs wurde im August 2022 mit 37,08 Riyal erreicht. Im August 2026 notiert die Aktie wieder deutlich darunter, bei rund 26,6 Riyal.

Wer beim IPO auf einen schnellen Gewinn hoffte, bekam ihn zwar am ersten Tag. Wer allerdings einfach kaufte und hielt, musste anschließend lange auf eine attraktive Rendite warten. Das ist ein wichtiges Detail: Ein IPO ist kein Gewinnversprechen.

Wenn der Hype größer ist als die Bewertung

Das Problem lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären. Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar besitzt seit 20 Jahren ein erfolgreiches Unternehmen. Er möchte sich zur Ruhe setzen und bietet Ihnen seine Firma für 20 Millionen Euro an.

Sie lassen das Unternehmen von einem Wirtschaftsprüfer bewerten. Auch dieser kommt zu dem Ergebnis: 20 Millionen Euro ist ein vernünftiger Preis. Doch Sie sind überzeugt, dass die Firma viel mehr wert ist. Sie zahlen 25 Millionen Euro. Absurd? Natürlich. Und doch passiert an der Börse etwas Ähnliches.

Ein Unternehmen legt im Rahmen eines IPO einen Ausgabepreis fest. Dieser Preis basiert auf einer Unternehmensbewertung, die von zahlreichen Faktoren abhängt. Unter anderem vom Geschäftsmodell, den erwarteten Gewinnen, dem Wachstumspotenzial, dem Kapitalmarktumfeld und natürlich der Nachfrage der Investoren.

Dann beginnt der Börsenhandel. Und plötzlich sind Anleger bereit, 10, 20 oder 50 Prozent mehr zu bezahlen.

Glauben sie tatsächlich, das Unternehmen besser bewerten zu können als die bisherigen Eigentümer, deren Berater und die Investmentbanken, die den Börsengang begleitet haben?

Natürlich kann der Markt zu einer anderen Einschätzung kommen. Genau das ist ja der Sinn eines Börsenmarktes. Aber ein kräftiger Kursanstieg unmittelbar nach dem IPO bedeutet nicht automatisch, dass die Aktie günstig war. Oft bedeutet er schlicht: Die Nachfrage war größer als das Angebot.

Der Preis ist das, was Du bezahlst. Der Wert ist das, was Du bekommst.

- Warren Buffett

Newsletter

Jetzt zum Newsletter anmelden und über Neuerungen in der Finanzwelt informiert sein.

Wenn der große Börsenstart enttäuscht

Dass große Namen keine Garantie für einen erfolgreichen Börsenstart sind, zeigt ein Blick zurück. Facebook, heute Meta, ging 2012 mit einem Ausgabepreis von 38 US-Dollar an die Börse. Der erste Handelstag endete bei 38,23 US-Dollar – also praktisch unverändert. Technische Probleme an der Nasdaq und eine sehr hohe Bewertung belasteten den Start zusätzlich.

Facebook ist allerdings ein gutes Beispiel dafür, warum man zwischen IPO und Unternehmen unterscheiden muss: Der Börsenstart war enttäuschend, das Unternehmen entwickelte sich anschließend hervorragend. Ein schlechter IPO-Start bedeutet also nicht automatisch, dass die Aktie langfristig eine schlechte Investition ist.

Auch Uber enttäuschte beim Börsenstart 2019. Der Ausgabepreis betrug 45 US-Dollar, die Aktie eröffnete jedoch bei 42 US-Dollar. Uber hatte zuvor über Jahre Milliarden von Dollar von privaten Investoren eingesammelt und war mit entsprechend hohen Erwartungen an die Börse gekommen.

Ein noch spektakuläreres Beispiel ist WeWork. Hier kam es gar nicht erst zum Börsenstart. Das Unternehmen wollte ursprünglich mit einer Bewertung von rund 47 Milliarden US-Dollar an die Börse gehen. Investoren zeigten sich jedoch zunehmend skeptisch. Die geplante Bewertung wurde massiv reduziert und im September 2019 wurde der Börsengang schließlich abgesagt.

Und auch Zapf Creation zeigt, dass ein Börsengang langfristig keineswegs eine Erfolgsgarantie ist. Das Unternehmen ging 1999 an die Börse. Einige Jahre später geriet der Puppenhersteller in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten. 2006 brach der Aktienkurs im Zuge von Verlusten und Problemen bei der Bilanzierung von knapp 30 Euro auf unter 10 Euro ein. 2007 waren sogar die langfristige Finanzierung und eine Kapitalerhöhung zur Rettung des Unternehmens Thema.

Weitere Beispiele ließen sich problemlos ergänzen: Lyft, Snap oder auch zahlreiche kleinere Technologie- und Wachstumsunternehmen zeigen, dass ein viel beachteter Börsengang und eine erfolgreiche langfristige Aktienanlage zwei völlig unterschiedliche Dinge sein können. Lyft beispielsweise wurde 2019 zu 72 US-Dollar je Aktie emittiert und hatte bereits zum Börsengang einen Verlust von 911 Millionen US-Dollar bei 2,2 Milliarden US-Dollar Umsatz im Vorjahr.

Warum passiert das? Ein Grund ist die Psychologie. Vor einem großen IPO wird eine Geschichte erzählt. Ein Unternehmen wächst rasant. Es hat einen riesigen adressierbaren Markt. Die Technologie verändert eine Branche. Die Zukunft sieht fantastisch aus.

Und plötzlich entsteht ein Gefühl: „Wenn ich jetzt nicht kaufe, ist die Chance vorbei.“

Genau dieses Gefühl (man nennt es FOMO; Fear of missing out) kann gefährlich werden. Denn an der Börse ist nicht nur entscheidend, wie gut ein Unternehmen ist. Entscheidend ist eben auch, wie viel man dafür bezahlt

Ein hervorragendes Unternehmen kann eine schlechte Investition sein, wenn man einen viel zu hohen Preis dafür bezahlt. Umgekehrt kann ein durchschnittliches Unternehmen eine interessante Investition sein, wenn der Preis niedrig genug ist. Das ist ein wichtiger Grundsätze beim Investieren.

Wer verdient eigentlich am IPO?

Ein Börsengang kostet Geld. Investmentbanken begleiten das Unternehmen bei der Strukturierung, Bewertung, Vermarktung und Platzierung der Aktien. Dafür erhalten sie Gebühren. Je größer das Emissionsvolumen, desto größer ist grundsätzlich auch das Geschäft für die beteiligten Banken.

Auch die bisherigen Eigentümer profitieren häufig von einem Börsengang. Sie können einen Teil ihrer Beteiligung verkaufen und damit ihr bisher gebundenes Kapital teilweise realisieren. Das ist auch völlig legitim. Denn diese Eigentümer haben häufig jahrelang Kapital, Zeit und unternehmerisches Risiko investiert. Aber genau deshalb sollte sich ein Anleger immer eine Frage stellen: Warum verkauft mir jemand diese Aktie – und zu welchem Preis?

Was können Anleger aus IPOs lernen?

Die wichtigste Erkenntnis lautet nicht: Finger weg von IPOs. Sie lautet: Nicht jedem Börsengang muss man hinterherlaufen. Wer von einem Unternehmen überzeugt ist, hat mehrere Möglichkeiten:

  1. Geduld haben. Der erste Handelstag ist nicht der letzte. Wenn die Aktie nach dem IPO unter Druck gerät, kann sich später eine deutlich bessere Einstiegsmöglichkeit ergeben.

  2. Nicht den Hype mit dem Wert verwechseln. Eine Aktie, die an einem Tag um 30 Prozent steigt, ist nicht automatisch 30 Prozent mehr wert geworden. Warren Buffett meinte: „Der Preis ist das, was Du bezahlst. Der Wert ist das, was Du bekommst.“

  3. Auch indirekte Beteiligungen betrachten. Wenn große börsennotierte Unternehmen bereits an einem IPO-Kandidaten beteiligt sind, kann es interessant sein, sich diese Unternehmen genauer anzusehen. Bei Unternehmen aus dem KI-Bereich sind beispielsweise Alphabet und Microsoft an wichtigen privaten KI-Unternehmen beteiligt.

  4. Nicht jede kurzfristige Kursbewegung muss ausgenutzt werden. Die nächste Investmentchance kommt, immer.

Die vielleicht interessanteste Phase kommt vor dem IPO

Wer erst beim Börsengang einsteigt, kommt spät zur Party. Die spannendere Phase kann lange vorher beginnen – nämlich dann, wenn ein Unternehmen noch privat ist und nur wenigen Investoren offensteht.

Hier kommt Private Equity ins Spiel. Private Equity umfasst Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Das Spektrum reicht von jungen Unternehmen mit einer Geschäftsidee bis zu etablierten, profitablen Firmen.

Der mögliche Vorteil liegt auf der Hand: Anleger können investieren, bevor ein Unternehmen an der Börse bekannt und entsprechend bewertet ist.

Aber auch hier gilt: höhere Chancen bedeuten nicht höhere Sicherheit.

Private-Equity-Investments können illiquide sein, hohe Risiken aufweisen und sind nicht für jeden Anleger geeignet. Gerade bei jungen Unternehmen kann sogar ein Totalverlust möglich sein. Der entscheidende Unterschied zum IPO lautet deshalb nicht „sicher statt riskant“. Er lautet: früher statt später.

Wer früh investiert, übernimmt mehr Unsicherheit. Wer später an der Börse investiert, erhält dafür mehr Informationen über das Unternehmen.

IPO: Schnelles Geld oder Fehlinvestition?

Die Antwort lautet: Beides ist möglich.

Ein IPO kann am ersten Handelstag zweistellige Kursgewinne bringen. SpaceX hat 2026 eindrucksvoll bewiesen, wie stark der erste Handelstag ausfallen kann. Gleichzeitig hat die Aktie anschließend gezeigt, wie schnell solche Gewinne wieder verschwinden können und sich ins Gegenteil verkehren.

Historisch ist das Thema ohnehin keineswegs neu. Der Finanzwissenschaftler Jay Ritter zeigte bereits in einer viel beachteten Untersuchung, dass IPOs langfristig hinter vergleichbaren börsennotierten Unternehmen zurückbleiben können. In seiner Untersuchung lag die Drei-Jahres-Rendite von IPOs bei 34,5 Prozent, während vergleichbare Unternehmen auf 61,9 Prozent kamen.(siehe Wiley Online Library)

Die wichtigste Lektion ist daher einfach: Nicht der Börsengang macht eine Aktie attraktiv. Der Preis macht sie attraktiv. Und manchmal ist die beste Entscheidung bei einem spektakulären IPO genau jene, die am schwersten fällt: nichts tun. Die nächste Gelegenheit kommt.

Hinweis: Diese Information ist eine Marketingmitteilung, welche von Schelhammer Capital ausschließlich zu Informationszwecken erstellt wurde. Sie wurde nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt und unterliegt nicht dem Verbot des Handelns im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen. Dieses Dokument stellt keine Finanzanalyse, keine Anlageempfehlung und keine Anlageberatung dar. Sie erhalten weder ein Angebot zum Abschluss eines Vertrages über eine Wertpapierdienstleistung oder eine Nebendienstleistung, noch eine Aufforderung, ein Angebot zum Abschluss eines Vertrages über eine Wertpapierdienstleistung oder eine Nebendienstleistung abzugeben. Sofern sich diese Mitteilung auf nach den kapitalmarktrechtlichen Vorschriften prospektpflichtige Produkte bezieht, ersetzen die Informationen keinesfalls den Prospekt, welcher über den jeweiligen Emittenten veröffentlicht wird. Jede Kapitalveranlagung ist mit einem Risiko verbunden. Unter Umständen kann es zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen. Da nicht jedes Geschäft für jeden Anleger geeignet ist, sollten Anleger vor Abschluss eigene Berater konsultieren (insbesondere Rechts- und Steuerberater). Vergangene Auszeichnungen sind keine Garantie für den zukünftigen Erhalt von Auszeichnungen.