Ein Sieg fürs ganze Leben

06.03.2023

4 min Lesezeit

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Was hat eine der erfolgreichsten Frauen des österreichischen Skisports aus ihrer Karriere fürs weitere Leben gelernt? Renate Götschl spricht mit „Werte“ über die Höhen und Tiefen eines Sportlerinnenlebens – und erklärt, warum auch ein Schlafzimmer eine gute Investition sein kann.

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Renate Götschl hat während ihrer aktiven Karriere von 1990 bis 2009 als dreifache Weltmeisterin neue Maßstäbe im österreichischen Skisport gesetzt. Dem Sport ist sie als Präsidentin des Steirischen Skiverbands bis heute treu geblieben – und Siege im Leben bedeuten für sie keineswegs Gewinnen um jeden Preis, wie sie im persönlichen Gespräch verrät.

Frau Götschl, wie steht man nach einer Karriere im Spitzensport im späteren Leben zum Thema Erfolg? Gilt da auch noch die Devise Sieg oder Niederlage, alles oder nichts?

Ganz so extrem ist es zum Glück natürlich nicht (lacht). Ich war als junge Skirennläuferin sehr ehrgeizig, aber ich habe zugleich auch schnell gelernt, mich über einen zweiten Platz zu freuen und ihn keineswegs als Niederlage zu empfinden.

 

Der Sport kann eine gute Lebensschule sein.

- Renate Götschl

Auch im Spitzensport ist es im Grunde nicht anders als im Leben: Man kann nun einmal nicht immer gewinnen. Und wenn man lernt, zum richtigen Zeitpunkt die Perspektive zu wechseln, kann auch ein scheinbar unerfreuliches Ereignis durchaus positiv sein. Als ich 2009 meine aktive Karriere beendet habe, war das z. B. für mich keineswegs ein trauriges Ereignis. Ich wusste, dass ich jetzt Mutter werde, dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt beginnt, und ich habe mich auf dieses neue Leben sehr gefreut.

Der Sport kann eine gute Lebensschule sein, denn von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt erlebt man hier wirklich die komplette Bandbreite der Gefühle. Daraus lernt man im Lauf der Zeit auch eine gewisse Gelassenheit.

Können Sie sich noch an die ersten prägenden Momente in ihrer Kindheit oder Jugend erinnern, als sie wussten: Der Skisport wird eines Tages meine Karriere sein?

Daran erinnere ich mich noch sehr gut, und daran war auch ein wenig der Fernseher schuld. Denn als ich so ca. sechs oder sieben Jahre alt war, gab es eine Schweizer Abfahrerin namens Michela Figini, die mir als Kind sehr imponiert hat. Ich bin damals Anfang der Achtzigerjahre gebannt vor dem Bildschirm gesessen, habe ihr bei den Rennen zugesehen und mir ganz fest dabei gedacht: Eines Tages will ich genauso schnell die Piste hinunterflitzen wie sie. Das Lustige dabei ist: Ich komme aus einer Familie von Nicht-Skifahrern. Meine Eltern haben dann meine Karriere natürlich gefördert und waren auch entsprechend stolz auf mich. Aber die Idee, dass der Skisport eines Tages meine Zukunft sein könnte, die hatte ich ganz alleine. Im Sport startet man seine Karriere meist sehr jung und erlebt den Höhepunkt seiner Karriere oft bereits in einem Alter, in dem andere junge Menschen noch längst nicht mit dem Studium fertig sind.

Wie bewältigt man in diesen jungen Jahren die Herausforderungen, die auch abseits des Sports auf einen zukommen – als erfolgreiche Sportlerin muss man ja z. B. zugleich auch clevere Unternehmerin sein?

Das ist natürlich ein ganz wichtiges Thema abseits der Piste: Wie managt man seine Karriere auch finanziell? Ich hatte das große Glück, dass mein Bruder diese Aufgabe von Anfang an und über weite Strecken meiner Karriere übernommen hat. Es ist ungemein wertvoll, wenn man jemanden in der Familie hat, dem man voll und ganz vertrauen und mit dem gemeinsam man auch den wirtschaftlichen Teil einer Sportkarriere entsprechend gut und erfolgreich managen kann. Dieses persönliche Vertrauensverhältnis ist mir bis heute sehr wichtig – ein wesentlicher Grund, weshalb Schelhammer Capital heute meine Privatbank ist, denn auch hier finde ich dieses familiäre, vertraute Miteinander in Geldangelegenheiten.

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Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie das erste große Preisgeld gewonnen haben? Wie sind Sie damals mit diesem Geld umgegangen?

Ich war immer schon in Geldangelegenheiten ein relativ konservativer und bedachtsamer Mensch. Einen Teil meines ersten Weltcup-Preisgelds habe ich deshalb damals in mein persönliches Wohlbefinden und in mein privates Wohngefühl investiert – indem ich mir die Schlafzimmereinrichtung gegönnt habe, von der ich schon immer geträumt hatte.

Als Spitzensportlerin steht man stets auch im Fokus der Medien, mit nicht immer nur angenehmen Auswirkungen. Wie haben Sie während Ihrer Karriere diese Herausforderung bewältigt?

Mit den Medien bin ich eigentlich immer auf recht gutem Fuße gestanden, weil ich früh begriffen habe: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es meistens auch zurück. Ich hatte zum Glück also kaum große Probleme mit den Medien, sonst wäre ich ja heute nicht glücklich mit einem Journalisten verheiratet. Obwohl wir uns ganz zu Anfang gar nicht so sympathisch waren wie heute (lacht).

Welche Themen und Herausforderungen bestimmen heute Ihre berufliche Karriere?

Einerseits bewirtschafte ich heute eine bewaldete Alm und bin deshalb als Land- und Forstwirtin tätig. Und andererseits bin ich als Präsidentin des Steirischen Skiverbandes vor allem auch mit der wirtschaftlichen Seite des Sports beschäftigt: Sponsoren zu finden ist eine große Aufgabe, vor allem, da auch der Skisport wie fast alles im Leben mit ständig steigenden Kosten konfrontiert ist. Das Thema Klimawandel spielt auch hier mittlerweile eine immer größere Rolle – denn wenn der Schnee verschwindet, wird es immer kostspieliger, z. B. geeignete Trainingsmöglichkeiten zu finden und die Reisekosten zu bestreiten.

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