Private Equity: Investieren abseits der Börse

19.06.2022

5 Min. Lesezeit

Private Equity | Investition

Investieren in Unternehmensbeteiligungen – das kennen viele nur in Form von börsennotierten Aktien. Doch es gibt noch einen weiteren Markt, der für viele Privatanleger bisher eher im Verborgenen lag: Private Equity. Bernadette Ules (Geschäftsführerin der GBG Private Markets GmbH der GRAWE Bankengruppe) erklärt, worum es bei diesem Thema geht – und welche entscheidenden Vorteile Private Equity bieten kann.

Unter Private Equity versteht man Kapitalbeteiligungen, die an nicht börsennotierten Unternehmen erworben werden: eine alternative Investitionsform mit interessantem Renditepotenzial, die auch für Privatanleger immer attraktiver wird – doch für den Einstieg sind entsprechende Vorkenntnisse äußerst wertvoll. Private Equity-Spezialistin Bernadette Ules verrät im Interview mehr dazu.

Private Equity ist vor allem für jene Privatanleger ideal, die selbst unternehmerisch denken.

- Bernadette Ules

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Das Thema Private Equity wird auch für Privatanleger immer attraktiver. Was sind die Gründe dafür?

Bernadette Ules: Ein Grund ist die für viele Privatanleger aktuell unbefriedigende Renditensituation an den traditionellen Märkten (z.B. bei Anleihen, Festgeld etc.). Private Equity Investments haben in der Vergangenheit sogar – teils deutlich – höhere Renditen erzielt als die ohnehin performancestarken börsengelisteten Aktien. Die Überrendite von Private Equity zu Aktien betrug durchschnittlich 4,75% p. a.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist der Zugang zu einem breiteren Anlageuniversum. Am Private Equity-Markt können vor allem klein- und mittelständische Unternehmen noch zu vergleichsweise günstigeren Bewertungen erworben werden. Durch die größere Auswahlmöglichkeit kann der Diversifikationsgrad weiter erhöht und das Risiko-/Renditepotenzial verbessert werden.

Woraus generiert ein Private Equity Investment seine Wertschöpfung?

Bernadette Ules: Mit dem Geld der Anleger werden Anteile an nicht börsennotierten Unternehmen erworben. Während der Phase, in der ein Private Equity Fonds eine Beteiligung hält, wird versucht, den wirtschaftlichen Erfolg des Beteiligungsunternehmens über mehrere Hebel zu verbessern. Der Fondsmanager teilt seine Erfahrungswerte mit den Unternehmen und gemeinsam wird sehr gezielt an Verbesserungen im laufenden Betrieb gearbeitet - etwa Effizienzsteigerungen, Erzielen von Skaleneffekten und Kostensenkungen. Oft werden aktiv Unternehmen oder Unternehmensteile zugekauft, die das bestehende Unternehmen ergänzen – das nennt man „Buy and Build“-Strategie. Darüber hinaus wird die Unternehmensstruktur optimiert, um den Verbesserungen auch organisatorisch Rechnung tragen zu können. Nach erfolgreicher Umsetzung veräußert der Private Equity Fonds seine Anteile am Unternehmen, entweder über einen Verkauf an strategische Investoren beziehungsweise Finanzinvestoren oder im Zuge eines Börsengangs. Die Anleger erhalten entsprechend ihrer ursprünglichen Investition einen Teil des Verkaufserlöses.

Wodurch wird ein Private Equity Investment erfolgreich? Und welche Faktoren entscheiden über die Qualität eines solchen Investments?

Bernadette Ules: Einer der entscheidendsten Faktoren ist die Qualität der Fondsmanager. Die besten 50% der Fondsmanager haben seit 2001 einen Mehrertrag von rund 8% p. a. – verglichen zum börsennotierten Aktienmarkt – erzielt. Das drittbeste Viertel der Manager erzielte ähnliche Renditen wie der börsennotierte Aktienmarkt, das schlechteste Viertel weist sogar eine negative Performance auf. Die Auswahl des Managements zählt also. Langjährige Markterfahrung und tiefes Markt-Know-how, unterstützt von einem professionellen Due-Diligence-Prozess, können bei der Selektion unterstützend wirken.

Und der zweite wichtige Punkt ist die Diversifikation: Ebenso wie am Aktienmarkt sollte bei Private Equity das Motto lauten, nicht alles auf ein Pferd zu setzen – eine Streuung über mehrere Manager, Sektoren und Jahrgänge ist unerlässlich.

Direktvergleich: Private Equity Investments können deutlich höhere Renditen erzielen als börsengelistete Aktien (Nettorendite p.a.)

 

Nettorendite

Nettorendite: Der Renditeunterschied zwischen Top- und Bottom-Quartil unterstreicht die Wichtigkeit exzellenter Fondsmanager (Nettorendite p.a.)

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 Private Equity – die Vorteile:

  • langfristiges Renditepotenzial
  • historische Outperformance gegenüber klassischen Aktienmärkten
  • investieren in ansonsten kaum für Privatinvestoren verfügbare Anlageklassen (private
  • Beteiligungen am Eigenkapital der Zielunternehmen)
  • Diversifikation
  • bei Schelhammer Capital jetzt schon ab 150.000 Euro Mindestinvestment


Private Equity – die Risiken und Nachteile:

  • Liquiditätsrisiko
  • gegebenenfalls Fremdwährungsrisiko
  • geringer Anlegerschutz und geringere Regulierung
  • Abhängigkeit vom Fondsmanagement und dessen Qualität
  • Bewertungsrisiko

Welche Risiken sind beim Thema Private Equity zu beachten?

Bernadette Ules: Private Equity kann natürlich keine risikolosen Renditen bieten. Zusätzlich zu den Risiken, die ein Aktieninvestment hervorruft, spielt das Illiquiditätsrisiko eine wesentliche Rolle. Anders als am Aktienmarkt können Private Equity-Unternehmen nicht auf Knopfdruck verkauft werden, in Krisenphasen sind sie oft gar nicht oder nur zu hohen Abschlägen zum Unternehmenswert verkäuflich. Ein Anleger muss daher von einer durchschnittlichen Kapitalbindungsdauer von etwa fünf bis sieben Jahren ausgehen.


Ein zweiter Risikofaktor ist das Bewertungsrisiko: Die Bewertung der Unternehmen erfolgt maximal vierteljährlich, die Bewertung und der Verkaufspreis können voneinander abweichen. Und der dritte Punkt sind die Kosten der einzelnen Investitionsmöglichkeiten. In der Regel fallen durch den höheren Aufwand höhere Gebühren als bei einem klassischen Aktienfonds an. Trotzdem lag die Nettorendite bei Private Equity Fonds in der Vergangenheit weit über den Aktienrenditen.

Für wen ist Private Equity geeignet?

Bernadette Ules: Private Equity ist für Privatanleger interessant, die einen Zeithorizont von zumindest zehn Jahren in der Veranlagung mitbringen können und die den notwendigen Risikoappetit für diese Anlageklasse aufweisen, um das Potenzial eines entsprechenden Mehrertrags zu nutzen. Private Equity kommt aufgrund der regulatorischen Einordnung als alternativer Investmentfonds nur als Beimischung für qualifizierte Privatkunden in Frage, die neben einem liquiden Vermögen von etwa einer Million Euro entsprechende Erfahrungen oder Kenntnisse mitbringen. Ganz einfach gesagt: Private Equity ist für Privatanleger ideal, die unternehmerisch denken. Sie sind bei Schelhammer Capital in besonders guten Händen, da wir nicht etwa erst vor Kurzem auf den Trend aufgesprungen sind: Wir sind bereits seit Jahrzehnten einer der führenden Pioniere in Österreich für Private Equity und waren einer der ersten Anlagepartner, die ihren Kunden den Zugang zu dieser Anlageklasse ermöglicht haben.

Zusätzlich bieten wir Anlegern die Möglichkeit, regelmäßig über so genannte Linked Notes an der Performance von Private Equity Fonds zu partizipieren. Dadurch kann das nötige Mindestinvestment von Private Equity Fonds (in der Regel fünf Millionen Euro) auf etwa 150.000 Euro reduziert und eine Streuung damit auf mehrere Fonds beziehungsweise Fondsmanager und deren Managementstile aufgeteilt werden.


Wertschöpfungsprozess

Während ein Private Equity Fonds eine Unternehmensbeteiligung hält, soll der wirtschaftliche Erfolg über mehrere Hebel verbessert werden:

1. Einstieg
Zugang zu nicht öffentlichen Daten im Rahmen der Prüfung des Investments („Due Diligence“). Gewonnener Informationsvorsprung minimiert Investitionsrisiken.

2. Optimierung
Verbesserungen im laufenden Betrieb (Effizienzsteigerungen, Skaleneffekte, Kostensenkung, Finanzierungskosten, …). Zukäufe von Unternehmen und Unternehmensteilen, Strukturoptimierung.

3. Ausstieg
Exit im Zuge eines Börsegangs oder Verkauf an strategischen Investor/Finanzinvestor.

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